Herz-Kreislauf

Herz-Kreislauferkrankungen, wie beispielsweise Abweichungen vom „normalen“ Blutdruck, Rhythmusstörungen, Synkopen (kurzzeitige Bewusstseinsaussetzungen), Tachykardie (Puls ± 100 Schläge / min.) eine orthostatische Hypotonie (Kreislaufschwäche z.B. beim Aufstehen / Sturzgefahr) können einerseits einen organischen Grund haben, andererseits gehören diese Beobachtung auch in das Nebenwirkungsspektrum vieler Arzneimittel, weil diese in der Lage sind, physiologische Regelkreise zu stören oder sogar zu unterbrechen.

Gerade bei polypharmazierten Patienten (über 4 bis 5 Arzneimittel pro Tag) erhöht sich das Risiko von vermeidbaren Nebenwirkungen, wenn diese sich addieren.

Stark additionsfähig sind beispielsweise anticholinerge Nebenwirkungen von Arzneimitteln, die sich hinsichtlich des herz-Kreislaufsystems als Tachykardie, Rhythmusstörung und / oder erhöhtem Blutdruck darstellen können. Siehe auch weitere Erläuterungen zur anticholinergen Last weiter unten oder auf www.medikationsrisiken.de.

Medikationsrisiken bei Herz-Kreislauferkrankungen:

Welche Erkenntnisse bringt Ihnen die Medikations-Risiko-Darstellung für die Indikation von Herz-Kreislauferkrankungen?

  1. Charakteristische Beschwerden werden den potenziell auslösenden Arzneimitteln zugeordnet – Beispiele:
    • Dyspnoe (Atembeschwerde)
    • Rhythmusstörungen
    • Angina-pectoris-Beschwerden
    • Synkope (kurzzeitige Bewusstseinsstörung)
    • Herzinsuffizienz als Nebenwirkung
    • Vorhofflimmern als medikamentöse Nebenwirkung
    • Tachykardie (Puls ± 100 Schläge / min.
    • weitere
       
  2. Potenzielle Herz-Kreislaufbelastungen, die durch Arzneimittel hervorgerufen werden können, werden dargestellt.
     
  3. Medikamente, die grundsätzlich bei Herz-Kreislauf-Belastungen Beschwerden auslösen können oder beispielsweise mit besonderer Vorsicht angewandt werden sollen, werden mit einem Punkt gekennzeichnet.
     
  4. Vorsorglich werden diejenigen Medikamente markiert, die bei einer Medikationsänderung durch den Arzt nicht abrupt abgesetzt werden sollen - es gilt die ärztliche Entscheidung.
     
  5. Medikamente der Priscus-Liste (Arzneimittel, die bei geriatrischen Menschen vermieden werden sollen oder einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.  

 

Die „anticholinerge Belastung“ in der Medikationszusammenstellung kann auch das Herz-Kreislaufsystem betreffen.

Acetylcholin ist ein Botenstoff, der viele Funktionen im Körper hat. Wenn dieser Botenstoff aus medikamentösen oder aus organischen Gründen in nicht ausreichender Menge vorhanden ist, spricht man von "anticholinerger Belastung". Alzheimer-Patienten beispielsweise haben in der erkennbaren Ausprägung dieser Erkrankung zu wenig Acetylcholin und können daher auffällige Aufgaben / Funktionen nicht mehr ausreichend bewältigen. Dazu gehören beispielsweise auch die Orientierung und auch die Unfähigkeit, die Blasenfunktion zu steuern und weitere Mangelzustände.

Wenn Arzneimittel der Grund dafür sind, dass zu wenig Acetylcholin im Körper vorhanden ist - also eine anticholinerge Belastung durch die Medikation erzeugt wird - dann können ebenfalls Symptome auftauchen, die die Herz-Kreislauffunktion beeinflussen, wie beispielsweise den Blutdruck, die Tachykardie (=hoher Pulsschlag van ca. 100 Schlägen pro Minute) oder auch Rhythmusstörungen des Herzens.

Darüber hinaus können bei Verwendung von Arzneimitteln mit anticholinergem Charakter dementielle Auffälligkeiten im Laufe der Behandlung auftreten, die denen der Demenz ähnlich sind und/oder auch schwer von einer echten Demenz zu unterscheiden sind.

Das ist auch der Grund, warum in der Medikations-Risiko-Darstellung die "anticholinerge Belastungen" - „ACB“ - als Zahlen angezeigt werden. „1“ ist ein relativ niedriger Wert, aber im Kontext einer Medikation nicht zu unterschätzen. Der Wert "3" sollte in der Summe eigentlich nicht überschritten werden. Alle anticholinergen Werte sind für die Medikation zu addieren. Der Additionswert wird im Auswertungslayout unterhalb des ACB-Scores angezeigt.

Auch Medikamente, die keinen Einfluss auf Acetylcholin zu haben scheinen, können Nebenwirkungen erzeugen, die sowohl einen demenziellen Charakter vermuten lassen (Verwirrtheit, Desorientierung, etc.), als auch Symptome des Herz-Kreislauf-Systems beeinflussen (Herzpochen, Vorhofflimmern,  Schwindel, usw.)


Leistungsumfang der Medikations-Risiko-Darstellung:

Zum Thema Herz-Kreislauf werden folgende Nebenwirkungen und die dazu passenden Beschwerden analysiert:

  1. Nebenwirkungen / Beschwerden Herz-Kreislauf
    • Blutdruck (RR) kann fallen
    • Orthostatische Dysfunktion
    • Blutdruck (RR) kann steigen
    • Synkope (kurzzeitige Bewusstseinsaussetzung)
    • Tachykardie (hoher Puls  > 100)
    • Bradykardie (niedriger Puls < 50)
    • Palpitation (Herzklopfen)
    • Vorhofflimmern
    • Schwindel
       
  2. Nebenwirkungen / Beschwerden bei Herzinsuffizienz
    • Dyspnoe (Atemnot)
    • Arrhythmie
    • Angina Pectoris
    • Ödembildung
    • Herzinsuffizienz als Nebenwirkung
       
  3. Essentielle Nebenwirkungen (ohne unmittelbare Beschreibung durch Patienten)
    • positive Inotropie
    • bei Herzinsuffizienz vermeiden
    • Kontraindikation bei Herzinsuffizienz
    • bei Herzinsuffizienz prüfen
    • negative Inotropie
    • QT-Intervall Verlängerung
    • ACB-Score
    • Priscus-Liste (Negativ-Liste für Arzneimittel bei geriatrischen Patienten)
    • nicht abrupt absetzen (Wegen einer eventuellen Medikationsanpassung)

Die analytische Auswertung berücksichtigt das qualitative Auftreten der genannten Nebenwirkungen sowie deren Quantität innerhalb der Medikation. Wahrscheinlichkeitsangaben über das Eintreten einer Nebenwirkung erfolgen nicht.

Wechselwirkungen werden gesondert aufgeführt.

Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Beachtung derAGB und der Datenschutzhinweise.

Bei der Medikations-Risiko-Darstellung handelt es sich um eine Medikationsanalyse ohne abschließende Erfolgsgarantie. Es gibt keine Garantie dafür, dass nach Umsetzung der Analyse Neben- und Wechselwirkungen wirklich verschwinden. Wir halten jedoch die Chancen dafür sehr hoch, wenn es ärztlicherseits gelingt, auf Basis der Medikations-Risiko-Darstellung  beispielsweise die Multimedikation zu verringern, die Anwendungsdosierungen anzupassen oder andere, geeignetere Medikamente zur Behandlung einzusetzen, wenn sich diese Optionen ergeben.