COPD

Die Zahl älterer Menschen mit COPD steigt stetig an und mindert die Lebensqualität (QL) beispielsweise durch Atemnot erheblich.

Darüber hinaus kann sich die Gesundheitslage durch Polymedikation deutlich verändern. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn zur COPD weitere Erkrankungen hinzukommen, die ebenfalls medikamentös behandelt werden.

Die Zahl der Wirkstoffe mit einem negativen Einfluss auf die Atemqualität ist erheblich groß und sollte bei Bedarf auf Eignung bei COPD-Patienten überprüft werden. Das Risiko bei polypharmazierten Patienten einen oder auch mehrere dieser derartiger Wirkstoffe für die Behandlung zusätzlicher Erkrankungen zu erhalten, ist gegeben, aber ganz sicher nicht erwünscht.

Um welche Medikamente es sich handelt und deren Interaktionen zu erkennen, ist aus dem Stegreif nicht möglich. Dies trifft insbesondere für Medikationen mit mehr als 4 bis 5 Arzneimitteln zu.

„Die Wahrscheinlichkeit für die Einnahme von unangemessenen Arzneimitteln steigt mit der Zahl der eingenommenen Arzneimittel“ – schreibt der Deutsche ÄrzteVerlag in seiner Ausgabe | Allg.Med | 2018; 94 (4).

In weiteren Veröffentlichungen zur Polypharmazie z.B. im Dt. Ärzteblatt (Dtsch Arztebl 2017; 114(12): A-577 / B-498 / C-486) wird unmissverständlich darauf hingewiesen, dass Polypharmazie wegen der begleitenden Risiken eingedämmt werden muss. Natürlich ist dies eine Aufgabe der behandelnden Ärzte.

Zur sachdienlichen Unterstützung dieser Aufgabe(n) ist die Medikations-Risiko-Darstellung entwickelt worden, die auch als Gesprächsgrundlage der pflegenden Angehörigen oder - soweit möglich – der betroffenen Patienten selbst genutzt werden sollte.

Welche Erkenntnisse bringt Ihnen die Medikations-Risiko-Darstellung für die Indikation von Arzneimitteln zur Behandlung der COPD?

  1. Charakteristische Beschwerden werden den potenziell auslösenden Arzneimitteln zugeordnet – siehe Auswertungsgrafik in der Anlage.
     
  2. Potenzielle Nebenwirkungen, die durch Arzneimittel hervorgerufen werden können, die zur Behandlung der COPD verwendet werden, werden dargestellt.
     
  3. Medikamente, die grundsätzlich bei COPD-Belastungen Beschwerden auslösen können oder beispielsweise mit besonderer Vorsicht angewandt werden sollen, werden mit einem Punkt gekennzeichnet. (siehe tabellarische Auswertung der Wechselwirkungen)
     
  4. Vorsorglich werden diejenigen Medikamente markiert, die bei einer Medikationsänderung durch den Arzt nicht abrupt abgesetzt werden sollen.
     

Der „anticholinerge Charakter“ in der Medikationszusammenstellung ist für COPD-Patienten besonders wichtig.

Acetylcholin ist ein Botenstoff, der viele Funktionen im Körper hat. Wenn dieser Botenstoff aus medikamentösen oder aus Krankheitsgründen in nicht ausreichender Menge vorhanden ist, spricht man von "anticholinerger Belastung".

Umgekehrt: Wenn der Botenstoff „Acetylcholin“ für unsere Atemorgane Überhand nimmt, können sich dir Bronchien bei längerer Belastung zusammenziehen. Dies mit der Folge, dass Betroffene nicht mehr genügend Atemluft haben.

Nikotin wirkt hier vergleichbar wie Acetylcholin und kann bei entsprechender Exposition ebenfalls eine „Bronchokonstriktion“, also ein Zusammenziehen der Atemwege, auslösen.

Wenn beispielsweise eine COPD ärztlich diagnostiziert ist, benötigt der Betroffene Wirkstoffe, die das Übermaß an Acetylcholin reduziert: Diese Arzneimittel haben einen „anticholinergen“ Charakter. Darüber hinaus können im Falle einer akuten Atemnot oder einer Exazerbation (akuter Krankheitsschub, der die Krankheit dauerhaft verschlechtern kann) weitere Arzneimittel – möglicherweise vorrübergehend - erforderlich sein, wie beispielsweise inhalative Cortikosteroide („ICS“) oder Antibiotika, um Entzündungssymptome und bakterielle Infektionen zu behandeln.

 

Zur Auswertung von Nebenwirkungen und der Beschwerdelage:

Es werden Nebenwirkungen zusammengestellt, die einen Bezug zu Atembeschwerden bei COPD haben können:

  1. COPD-spezifische Nebenwirkungen.
    Falls eine COPD vorliegen sollte, (ärztliche Diagnose), sind diejenigen Arzneimittel gekennzeichnet (Punkt), die entsprechend der grafischen Auswertung ein medikamentöses Risiko bergen können. Ob dieses Risiko zum Tragen kommt, kann i.d.R. auch der Patient oder seine pflegenden Angehörigen beobachten.
     
  2. Der „anticholinerge Score“ ist je Medikament gekennzeichnet und zusätzlich als Summe aufgeführt. Er ist der Ausdruck dafür, wie stark anticholinerge Symptome (siehe oben) durch eine Medikation beeinflusst werden können (z.B. erhöhter Blutdruck, hoher Puls, Rhythmusstörungen oder Desorientierung, Verwirrtheit, Inkontinenz, etc; aber auch die Bronchialerweiterung bei kurz- und langwirksamen Anticholinergika, die für COPD-Patienten essentiell wichtig sind.
    Dieser anticholinerge „Score“ gilt nicht für Arzneimittel, die lokal – also beispielsweise inhalativ bei COPD – verwendet werden!
     
  3. Wirkstoffe der Priscus-Liste sind … siehe Auswertung.
    (Die Priscus-Liste – www.priscus.net - enthält Wirkstoffe, die für ältere Menschen ungeeignet erscheinen)
     
  4. Für den Fall einer Umgestaltung der Medikationszusammenstellung sind diejenigen Arzneimittel gekennzeichnet, die nicht abrupt abgesetzt werden sollen.
     
  5. Übrige Nebenwirkungen, die einen Bezug zur Verträglichkeit der Medikationszusammenstellung haben könnten, sind mit einem Punkt in der Grafik gekennzeichnet.

Medikationsänderungen dürfen ausschließlich nur durch den behandelnden Arzt / die behandelnde Ärztin vorgenommen werden!

Bezgl. eines COPD-Schmerzes, der durch Nebenwirkungen von Medikamente befördert werden kann, gibt es ein gesondertes Layout mit der Auswertung von:

  • Muskelschmerzen
  • Muskelverspannung
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Angst
  • Depression
  • Eisenmangel / Sauerstoffmangel
  • Atembeschwerden (bei multimedizierten Patienten)
  • Dyspnoe
  • Husten
  • Brustschmerzen / Angina pectoris
  • Herzinsuffizienz
  • Unruhige Beine (Restless Legs)

Darüber hinaus werden Arzneimittel gekennzeichnet, die nicht abrupt abzusetzen sind. Jegliche Medikationsänderung darf nur der behandelnde Arzt vornehmen.


Leistungsumfang der Medikations-Risiko-Darstellung:

Zum Thema COPD werden folgende Nebenwirkungen und die dazu passenden Beschwerden analysiert:

  1. Nebenwirkungen / Beschwerden
    • Atembeschwerden
    • Husten
    • Atemnot
    • Bronchialspasmus
    • Dyspnoe / Kurzatmigkeit
    • Ödembildung
    • Angst
    • Depression
    • Allergie
    • Brustenge / Angina pectoris
    • Benommenheit
    • Müdigkeit
    • nicht abrupt absetzen
       
  2. Arzneimittelsymptome und COPD-Schmerz
    • Muskelschmerzen
    • Muskelverspannung
    • Kopfschmerz
    • Rückenschmerz
    • Angst
    • Depression
    • Atembeschwerde
    • Dyspnoe
    • Husten
    • Brustenge / Angina pectoris
    • Unruhige Beine / „Restless Legs“
    • nicht abrupt absetzen
       
  3. Inhalationsarzneimittel bei COPD / Anwendungen:
    • bei Bedarf / akut
    • Dauertherapie bei COPD
    • nicht akut anwenden
    • zeitlich begrenzt bei COPD
    • bei Verdacht auf Infektion
    • Reservearzneimittel bei COPD
    • nicht abrupt absetzen

Die analytische Auswertung berücksichtigt das qualitative Auftreten der genannten Nebenwirkungen sowie deren Quantität innerhalb der Medikation. Wahrscheinlichkeitsangaben über das Eintreten einer Nebenwirkung erfolgen nicht.

Wechselwirkungen werden gesondert aufgeführt.

Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Beachtung derAGB und der Datenschutzhinweise.

Bei der Medikations-Risiko-Darstellung handelt es sich um eine Medikationsanalyse ohne abschließende Erfolgsgarantie. Es gibt keine Garantie dafür, dass nach Umsetzung der Analyse Neben- und Wechselwirkungen wirklich verschwinden. Wir halten jedoch die Chancen dafür sehr hoch, wenn es ärztlicherseits gelingt, auf Basis der Medikations-Risiko-Darstellung  beispielsweise die Multimedikation zu verringern, die Anwendungsdosierungen anzupassen oder andere, geeignetere Medikamente zur Behandlung einzusetzen, wenn sich diese Optionen ergeben.