Allgemeine Informationen zur Harninkontinenz

Es gibt verschiedene Arten der Harninkontinenz. Diese Arten zu unterscheiden, ist eine wesentliche Voraussetzung für eine medikamentöse Risikoanalyse. Nicht jede Harninkontinenz hat potenzielle arzneimittelbezogene Ursachen. Jedoch spielt bei älteren Menschen, die medikamentös behandelt werden, die anticholinerge Last eine bedeutende Rolle, wenn es sich beispielsweise um Harnverhalt oder eine Überlaufinkontinenz (… Tröpfelinkontinenz) handelt. Hier einige unterschiedliche Harninkontinenzarten zur Information:

  1. Stressinkontinenz oder Belastungsinkontinenz.
    Durch erhöhten Druck im Bauchraum bei Belastung (z.B. Husten, Lachen, Niesen) öffnet sich der untrainierte Schießmuskel und gibt unkontrolliert Urin ab.
    Eine Stressinkontinenz wird in der Regel nicht durch Medikamente verursacht.
     
  2. Dranginkontinenz oder Reizblase.
    Ein überaktiver Blasenmuskel und überempfindliche Rezeptoren („Füllstandsmelder“) führen zu einem (plötzlichen) Harndrang, wenn auch schon bei geringem Füllstand der Blase der Blasenmuskel sich zusammenzieht.
    Als Auslöser können u.a. eine Blasenentzündung, Blasensteine oder auch Tumore genannt werden.
    In der Regel sind es keine Medikamente, die eine Dranginkontinenz auslösen.
    Aber: Auch eine Nervenstörung kann für die Hemmung der Blasenentleerung verantwortlich sein.
    Ursachen: U.a. Schlaganfall, Morbus Alzheimer (häufigste Form der Altersdemenz), Morbus Parkinson.
     
  3. Reflexinkontinenz.
    Es handelt sich um eine völlig unkontrollierte Blasenentleerung, bei der ein Reiz reflektorisch das Zusammenziehen der Blasenmuskulatur auslöst (Husten, Lageveränderung, etc.) Ursachen: U.a. Multiple Sklerose, Querschnittslähmung.
     
  4. Überlaufinkontinenz oder Tröpfelinkontinenz.
    Eine mechanische Abflussbehinderung kann zu einer unvollständigen Blasenentleerung führen; die Blasenwand kann überdehnt werden, der Urin füllt die Blase komplett und „läuft über“. Im schlimmeren Fall bewirkt dieser Zustand einen Nierenstau … was umgehend ärztlich zu behandeln ist).
    Die Symptome: Harnträufeln, häufiges Wasserlassen mit unzureichender Urinmenge, ständiger Harndrang.
    Ursachen: bei Männern oft durch Prostatavergrößerung, Nervenschädigung durch Diabetes, Harnröhrenverengung, anticholinerge Wirkung von Arzneimitteln.

    Genau auf diese anticholinerge Wirkung von Arzneimitteln konzentriert sich u.a. die hier vorliegende Medikations-Risiko-Darstellung, weil insbesondere im Alter sehr viele Arzneimittel verordnet werden, die ein anticholinerges Nebenwirkungsspektrum aufweisen.
    Anticholinerge Wirkungen können nicht nur zu einer Pseudodemenz führen, sondern auch die Blase weniger sensibel und weniger steuerbar durch das ZNS (Zentrales Nervensystem)  machen.
     
  5. Die dementielle Inkontinenz.
    In der vollen Ausbildung einer (Alzheimer-) Demenz hat sich eine Inkontinenz aufgrund eines Acetylcholinmangels entwickelt. Der betroffene Patient kann wegen dieses Mangels den Blasensphinkter, der gewöhnlich durch das ZNS steuerbar ist („Sphinkter detrusor“), nicht mehr bewusst steuern; es kommt zu einem unkontrollierten Harnabgang.

    Wenn demente Patienten in ihrer Polymedikation (mehr als 4 bis 5 Arzneimittel täglich) mit Wirkstoffen therapiert werden, die einen anticholinergen Charakter haben, kann diese Situation weiter verstärkt werden.

 

Es macht Sinn, wenn gerade bei älteren, multimedizierten Patienten die „anticholinerge Last“ besondere Aufmerksamkeit erfährt.

Acetylcholin ist ein Botenstoff, der viele Funktionen im Körper hat. Ist dieser Botenstoff aus medikamentösen oder aus Krankheitsgründen in nicht ausreichender Menge vorhanden, spricht man von "anticholinerger Belastung". Wenn der Körper zu wenig vom Botenstoff „Acetylcholin“ zur Verfügung hat, also eine „anticholinerge Last“ vorliegt, kann dies medikamentöse Gründe haben, denn nicht wenige Wirkstoffe werden durch eine anticholinerge Last gekennzeichnet.

Dann können hinsichtlich der Blase Miktionsvorgänge gestört sein, die sich dann in einem Harnverhalt äußern: Betroffene können sehr oft tagsüber keinen oder nur wenig Urin abgeben (… Tröpfelinkontinenz: die abgegebene Menge Urin ist über den Tag entlang sehr gering; am Abend, wenn der Betroffene zur Ruhe kommt, eine horizontale Ruhestellung einnimmt, dann entlädt sich die Blase mit einer größeren Urinmenge.)

Für Betroffene ist diese Situation sehr stressig, insbesondere, wenn sie durch Arzneimittel ausgelöst oder verstärkt wird.

Das ist der Grund warum in der Medikations-Risiko-Darstellung die "anticholinerge Belastung" (ACB) als Zahl angezeigt wird. „1“ ist ein relativ niedriger Wert, ist aber im Kontext einer Medikation nicht zu unterschätzen. Der Wert "3" sollte in der Summe bei geriatrischen Patienten eigentlich nicht überschritten werden.

Auch Medikamente, die keinen Einfluss auf Acetylcholin zu haben scheinen, können Nebenwirkungen erzeugen, die ebenfalls einen demenziellen Charakter vermuten lassen. Wiederum andere können unmittelbar eine Demenz bei älteren Menschen erzeugen oder sollten gar nicht oder nur unter ganz strengen Kontrollen bei einer Demenz verwendet werden. Diese sind in der graphischen Darstellung rechts gekennzeichnet.


Leistungsumfang der Medikations-Risiko-Darstellung:

Zum Thema Harninkontinenz werden folgende Nebenwirkungen und die dazu passenden Beschwerden analysiert:

  1. Nebenwirkungen / Beschwerden
    • Harnverhalt / Überlaufinkontinenz
    • Harndrang
    • Harninkontinenz
    • Miktionsstörung
    • Harnwegsentzündung
    • Verwirrtheit
    • Benommenheit
    • Unruhe
       
  2. Essentielle Nebenwirkungen (ohne unmittelbare Beschreibung durch Patienten)
    • Anticholinerge Last (ACB-Score)
    • Cave (Vorsicht) Niere (Nierenerkrankungen)
    • Nierenfunktionsstörungen beachten
      Zur Abgrenzung der dementiellen Inkontinenz:
    • potenziell Demenz-fördernd
    • Nicht bei Demenz anwenden
    • Cave (Vorsicht) bei Demenz
    • Nicht bei dementiellem Verhalten
    • Priscus-Liste (Negativ-Liste für Arzneimittel bei geriatrischen Patienten)
    • Serotonerge Eigenschaft
    • nicht abrupt absetzen (Wegen einer eventuellen Medikationsanpassung)

Die analytische Auswertung berücksichtigt das qualitative Auftreten der genannten Nebenwirkungen sowie deren Quantität innerhalb der Medikation. Wahrscheinlichkeitsangaben über das Eintreten einer Nebenwirkung erfolgen nicht, weil zutreffende Beschwerden zuvor benannt werden.

Wechselwirkungen werden gesondert aufgeführt.

Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Beachtung derAGB und der Datenschutzhinweise.

Bei der Medikations-Risiko-Darstellung handelt es sich um eine Medikationsanalyse ohne abschließende Erfolgsgarantie. Es gibt keine Garantie dafür, dass nach Umsetzung der Analyse Neben- und Wechselwirkungen wirklich verschwinden. Wir halten jedoch die Chancen dafür sehr hoch, wenn es ärztlicherseits gelingt, auf Basis der Medikations-Risiko-Darstellung  beispielsweise die Multimedikation zu verringern, die Anwendungsdosierungen anzupassen oder andere, geeignetere Medikamente zur Behandlung einzusetzen, wenn sich diese Optionen ergeben.