Demenz durch Arzneimittel

Die Entwicklung einer Demenz verläuft in der Regel langsam und entwickelt sich über Jahre. Sie wird begleitet von dementiellen Symptomen wie beispielsweise Desorientierung, Kognitionsverlust, Miktionsstörungen (z.B. Harnverhalt oder Überlaufinkontinenz) oder Herz-Kreislaufproblemen (hoher Puls, Arrhythmie, erhöhter Blutdruck).

Die Aufgaben des täglichen Lebens können immer weniger selbst bewältigt werden.

Bei einer „echten Demenz“ sind diese Symptome von organischem Ursprung. Gleichzeitig sollte man aber auch berücksichtigen, dass sehr viele dementielle Erscheinungen auch - oder gerade – dem Nebenwirkungsspektrum vieler Arzneimittel entsprechen, insbesondere, wenn diese dem anticholinergen Formenkreis zuzuordnen sind.

Von der Scheindemenz sind ganz wesentlich alte und ältere Menschen betroffen, die multimediziert sind, d.h. mehr als 4-6 Medikamente täglich anwenden. Die Gründe zur Multimedikation sind vielfältig, sie sollten jedoch auch nachvollziehbar sein. (Lesen Sie hier auch zum Thema Multimedikation).

Fatal ist, dass bei multimedizierten Patienten immer mehr Wirkstoffe eingesetzt werden, die bei Dauergebrauch dementielle Symptome erzeugen können, ohne dass eine organische Ursache vorliegt. Es können die intensiven und zwingenden Nebenwirkungen von zu vielen Medikamenten sein, die den Körper schließlich überfordern. Als Folge treten diese Nebenwirkungen offen zu Tage.

Diese Arzneimittel-induzierten Scheindemenzen (Pseudodemenzen) können eine fatale Folge der Multimedikation sein, wenn diese u.a. einen sehr starken anticholinergen Charakter hat.

Beispiele für den anticholinergen Charakter sind:

Desorientierung, Benommenheit, Kognitionsschwäche, aber auch kardiologische Belastungen wie Tachykardie, Rhythmusstörungen und hoher Blutdruck. Des Weiteren können sich eine warme trockene Haut, Verstopfung und Harnverhalt, der dann möglicherweise als Harninkontinenz wahrgenommen wird, einstellen.

Natürlich können die o.g. Nebenwirkungen unabhängig vom anticholinergen Charakter auch von anderen Medikamenten ausgelöst werden. Anticholinerge Nebenwirkungen haben insgesamt einen streng additiven Charakter und müssen daher den beteiligten Medikamenten einer Medikation insgesamt zugeordnet werden.

Für Sie zur Information:  Abgrenzung von Demenz und Delir:

Erscheinungsbild Demenz Delir
Entwicklung Schleichend über Monate und Jahre akut, häufig nachts, in Stunden bis Tagen
Orientierungsfähigkeit Häufig eingeschränkt, zunächst v.a. zeitlich, dann auf Orientierungsqualitäten übergehend; v. a. zeitliche Desorientierung
Sprache Verarmung, zunehmende Wortfindungsstörungen, im späteren Stadium Einwortsätze bis hin zum Verstummen Häufig gesteigerter Redefluss (hyperaktives Delir) oder stark reduzierter Redefluss (stilles Delir), unzusammenhängend
Wahn / Halluzination / Illusion eher selten Visuelle und auditive Formen häufig
Psychomotorik Meist unauffällig oder für die Person im üblichen Rahmen / anlassbezogen Ruhelos bis gehetzt wirkend oder antriebsarm / hypoaktiv
Körperliche Symptome Meist unauffällig Vegetative Symptome (Schweißneigung, Herzklopfen, Zittern etc.)
Bewusstsein Unauffällig Eingeschränkt / getrübt

Folgende Beobachtungen können nützlich sein:

Delir Demenz
Das Delir beginnt meist plötzlich und unerwartet
 Verwirrtheitszustand bei Demenz entwickelt sich langsam
Symptome des Delirs können im Tagesverlauf stark schwanken und sind i. d. Regel nachts schlimmer  
Häufig findet man eine Umkehr des Schlaf-Nacht-Rhythmus  
Ein Delir dauert Stunden, Tage oder auch Wochen; meist nie länger Dauerhafter, progredient fortschreitender Vorgang

Fazit:

Medikationsrisiken offenlegen, bedeutet:

  1. Indikationsgebundene und beschwerdebezogene Medikationsrisiken mit den potenziell auslösenden Wirkstoffen im Zusammenhang darstellen.
  2. Das Risikopotenzial durch Wechselwirkungen von Arzneimitteln untereinander übersichtlich und sortiert aufführen.

Es gibt eine konkrete Chance der Zuordnung zu den potenziell Beschwerde-auslösenden Medikamenten.

Mit beiden Analyseschritten – für Nebenwirkungen und Wechselwirkungen -  erhalten Sie für das nächste Arztgespräch detaillierte Informationen zur Medikationsanpassung, um die Verträglichkeit Ihrer Medikation zu optimieren.


Leistungsumfang der Medikations-Risiko-Darstellung:

Zum Thema Demenz werden folgende Nebenwirkungen und die dazu passenden Beschwerden analysiert:

  1. Nebenwirkungen / Beschwerden mit anticholinergem Charakter:
    • Benommenheit
    • Unruhe / Agitiertheit
    • Konzentrationsstörung
    • Desorientierung
    • Sehstörung
    • Arrhythmie
    • Tachykardie
    • Mundtrockenheit
    • Verstopfung
    • Tröpfelinkontinenz / Überlaufinkontinenz
       
  2. Nebenwirkungen mit ZNS-Charakter:
    • Persönlichkeitsveränderung
    • unangemessenes Verhalten
    • Schlafstörung
    • zentrale Dämpfung
    • erniedrigte Krampfschwelle
    • Verwirrtheit
    • Konzentrationsstörung
    • Amnesie
    • anterograde Amnesie
    • Gedächtnisstörung
       
  3. Essentielle Nebenwirkungen (ohne unmittelbare Beschreibung durch Patienten)
    • Anticholinerge Last (ACB-Score)
    • potenziell Demenz-fördernde Eigenschaft
    • nicht bei Demenz anwenden
    • Cave (Vorsicht) bei Demenz
    • Priscus-Liste (Negativ-Liste für Arzneimittel bei geriatrischen Patienten)
    • Serotonerge Eigenschaft
    • nicht abrupt absetzen (Wegen einer eventuellen Medikationsanpassung)

Die analytische Auswertung berücksichtigt das qualitative Auftreten der genannten Nebenwirkungen sowie deren Quantität innerhalb der Medikation. Wahrscheinlichkeitsangaben über das Eintreten einer Nebenwirkung erfolgen nicht.

Wechselwirkungen werden gesondert aufgeführt.

Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Beachtung derAGB und der Datenschutzhinweise.

Bei der Medikations-Risiko-Darstellung handelt es sich um eine Medikationsanalyse ohne abschließende Erfolgsgarantie. Es gibt keine Garantie dafür, dass nach Umsetzung der Analyse Neben- und Wechselwirkungen wirklich verschwinden. Wir halten jedoch die Chancen dafür sehr hoch, wenn es ärztlicherseits gelingt, auf Basis der Medikations-Risiko-Darstellung  beispielsweise die Multimedikation zu verringern, die Anwendungsdosierungen anzupassen oder andere, geeignetere Medikamente zur Behandlung einzusetzen, wenn sich diese Optionen ergeben.